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Anstoß in der Freemasons’ Tavern

Wie die Freimaurerei 1863 den modernen Fußball prägte – und was den Sport bis heute mit unseren Werten verbindet

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist zwar vorbei, aber die Begeisterung für das wohl populärste Spiel der Welt reißt nicht ab.

Was jedoch selbst viele eingefleischte Fans kaum wissen:

Die Geburtsstunde des modernen Fußballs schlug an einem Ort, der der Freimaurerei im wahrsten Sinne des Wortes wie auf den Leib geschneidert war.

Hier ist der historische Blick auf die überraschende Verbindung zwischen dem grünen Rasen, der Freimaurerei und der Welt des Sports.

26. Oktober 1863 - Die Geburtsstunde in der Freemasons’ Tavern

Am 26. Oktober 1863 kamen Vertreter von elf Londoner Clubs und Schulen zusammen, um Ordnung in das bisherige Chaos der verschiedenen Ballspiel-Regeln zu bringen. Einige spielten mit den Händen, andere nur mit den Füßen, manche schienen fast jede Form von Körpereinsatz zu erlauben.

Der Treffpunkt für diese historische Versammlung war keineswegs zufällig gewählt:

Die Delegierten trafen sich in der Freemasons’ Tavern in der Great Queen Street in London – direkt neben dem Hauptsitz der Vereinigten Großloge von England (UGLE). Dort gründeten sie die Football Association (FA) und verfassten das erste einheitliche Regelwerk des modernen Fußballs.

Die Taverne war damals ein bedeutender Treffpunkt für zivilgesellschaftliche Initiativen, Clubgründungen und wohltätige Zwecke, eng verwoben mit der freimaurerischen Kultur der Begegnung.

Werte, Regeln und Fair Play Geistige Verwandtschaft

Die Verbindung zwischen dem königlichen Spiel und der königlichen Kunst geht jedoch tiefer als der bloße Versammlungsort. Das 19. Jahrhundert war in Großbritannien geprägt von der Idee, die Gesellschaft durch Strukturen, Bildung und Werte zu gestalten.

  • Regeln und Verfassungen
    So wie die Freimaurerei 1723 mit den Alten Pflichten ein Grundgesetz des friedlichen Miteinanders schuf, benötigte der Sport ein Regelwerk, das Willkür verhinderte und Chancengleichheit garantierte.

  • Das Prinzip des „Fair Play“
    Der gegenseitige Respekt, das Einhalten von Regeln, der Händedruck vor und nach dem Spiel sowie der Respekt vor dem Schiedsrichter spiegeln zentrale freimaurerische Tugenden wie Toleranz, Brüderlichkeit und Mäßigung wider.

  • Gleichheit auf dem Platz
    Wie im Tempel der Rang oder der Stand in der profanen Welt ruht, so galt auf dem Spielfeld plötzlich nur die Leistung und der Teamgeist. Arbeiter und Akademiker spielten nach denselben Regeln.

Freimaurerei in anderen Sportarten

Der Fußball ist keineswegs die einzige Sportart, in deren Genen freimaurerische Einflüsse oder Persönlichkeiten zu finden sind:

Basketball
Erfinder des Basketballs war der kanadische Arzt und Pädagoge Dr. James Naismith. Er erfand das Spiel 1891, um jungen Menschen im Winter eine sportliche Betätigung in der Halle zu bieten, die auf Geschicklichkeit statt roher Gewalt basierte. Naismith war ein aktiver und engagierter Freimaurer (später sogar Großkaplan der Großloge von Kansas).

Baseball
Auch die Wurzeln des US-Nationalsports tragen freimaurerische Handschrift. Alexander Cartwright, der 1845 die ersten modernen Baseball-Regeln niederschrieb und die berühmten Knickerbocker Rules definierte, war Freimaurer. Der weit verbreitete Mythos um Abner Doubleday als Erfinder verweist ebenfalls auf einen Maurer.

Golf & Rugby
In Schottland und England waren viele frühe Sportclubs und Dachverbände eng mit Logenmitgliedern verwoben. Der Trennungsprozess zwischen Rugby und Fußball fand übrigens ebenfalls während jener legendären Treffen in der Freemasons’ Tavern statt, als sich die Anhänger des reinen Fußspiels von den Befürwortern des Handspiels einvernehmlich trennten.

Der Sport und die Freimaurerei teilen den tiefen Wunsch, Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen, ein verbindendes Ziel zu verfolgen und im fairen Miteinander am eigenen Charakter zu arbeiten.

Wenn der Ball also das nächste Mal rollt, lohnt sich ein kurzer Gedanke an jenen Herbsttag des Jahres 1863 in London – als in einer freimaurerischen Taverne der Grundstein für ein Weltphänomen gelegt wurde.